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Jürgen Heinrich

Jürgen Heinrich

* 20.08.1945, Groß Godems (Mecklenburg)

Biographie

Jürgen Heinrich, dessen Vater nach dem Krieg als vermisst gilt, wächst bei seiner Mutter Emma auf, welche zeitweilig CDU-Vorsitzende im Bezirk Neubrandenburg und jahrelang Abgeordnete der DDR-Volkskammer ist. Das Abitur macht Jürgen an der Magdeburger Kinder- und Jugendsportschule, hat Chancen als Kandidat für den Olympiakader, ehe eine Krankheit seine hoffnungsvoll begonnene Sportler-Laufbahn beendet. So beginnt er eine Lehre zum Stahlschiffbauer. Ab 1965 studiert er dann an der Theaterhochschule Leipzig, muss während einer zweijährigen Zwangsunterbrechung als Folge kritischer Äußerungen zur Staatsführung seines Heimatlandes Armeedienst an der Grenze zur Bundesrepublik leisten, sodass er die angefangene Ausbildung 1970 abschließt. Nach ersten Bühnenerfahrungen in Halle folgen Engagements an die Bühnen der Stadt Zwickau (1970-73) sowie das Friedrich-Wolf-Theater Neustrelitz (1973-76). Die nächste Station heißt Deutsches Theater Berlin, wo er bis 1982 zum Ensemble gehört. Auf den Brettern, die die Welt bedeuten, kann Jürgen Heinrich sich in verschiedenen Genres beweisen, spielt in Dramen wie Komödien, überzeugt in Klassikern und Werken der Gegenwart.
Bereits zu Studienzeiten wird auch der Film auf das junge Talent aufmerksam. Regisseur Egon Günther holt ihn 1968 für die DEFA-Produktion "Abschied" vor die Kamera. Zahlreiche weitere Angebote folgen. Einen Leinwanderfolg bringt ihm vor allem die Gestaltung der Titelfigur in "Zum Beispiel Josef" (1974) ein. Seit Ende der 1970er Jahre auch verstärkt beim Fernsehen tätig, absolviert er bei Kino und TV eine Reihe unterschiedlicher Aufgaben. Mal darf er in sympathische Rollen schlüpfen, mal setzt man ihn als unangepassten Charakter, Unruhestifter oder Draufgänger ein. Auf dem Bildschirm ist er u.a. der Kundschafter Alexander im "unsichtbaren Visier" oder der Kommunist Jupp in der "Märkischen Chronik". Außerdem gastiert er mehrfach in "Polizeiruf"- und "Staatsanwalt"-Krimis. Die große Popularität des Schauspielers bei seinen Zuschauern spiegelt sich 1980 in der Wahl zum Fernsehliebling der "FF-Dabei" wider.
Früh zeigt Jürgen Heinrich auch Interesse an der Politik, tritt 21-jährig freiwillig in die SED ein, engagiert sich zeitweilig im Rat der Kultur. Wiederholte, teils selbst miterlebte Ungerechtigkeiten wie die Diskriminierung von Minderheiten in der Mongolei oder der Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan lassen ihn 1982 am Sozialismus zweifeln. Er protestiert offen gegen derartige Zustände und Aktionen und tritt als Konsequenz aus der Partei des Arbeiter- und Bauernstaates aus. Damit ist seine Karriere als Schauspieler schlagartig vorbei, denn fortan bekommt er praktisch ein "Berufsverbot" zu spüren. Eine Zeit lang verdient er als Taxifahrer und gefragter Schneider Geld, stellt 1984 einen Ausreiseantrag und verlässt schließlich im August 1985 mit seiner Familie die DDR. Wegen seiner Unbekanntheit in West-Berlin ist es zuerst schwer, künstlerisch Fuß zu fassen. Nach einer Weile gelingt es ihm aber. 1987-90 ist er am Schillertheater engagiert, dazu kommen kleine Rollen bei Film und Fernsehen. Zum Mauerfall im November 1989 sagt Jürgen Heinrich rückblickend "Es war die schönste Nacht meines Lebens. Ich habe nicht für möglich gehalten, dass das so friedlich funktioniert." 1992 feiert er als Hauptheld in der mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichneten Sat.1-Serie "Wolffs Revier" seinen großen, gesamtdeutschen Durchbruch. In ca. 170 Episoden verkörpert er über zehn Jahre den Ermittler Andreas Wolff, führt bei einigen Folgen Regie. 2001 wird Jürgen Heinrich Ehrenkommissar der Berliner Polizei. Seit 2007 steht er wieder auf der Bühne, arbeitet am Renaissance-Theater Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Schauspieler ist er ein beschäftiger Sprecher bei Hörspiel und Synchron, leiht solch internationalen Stars wie Stephen Rea, William Hurt, Tom Berenger oder Tchéky Karyo seine Stimme. Zudem ist er begeisterter Reisejournalist, der gern ferne Länder erkundet und mehrere Berichte für den Nachrichtensender n-tv dreht, u.a. über Singapur oder Australien.
Mit seiner Ehefrau Gabriele hat Jürgen Heinrich zwei Kinder: Tochter Katja (* 1975 in Neustrelitz), die schon in jungen Jahren mit ihrem Vater auf der Bühne zu sehen war, hat sich inzwischen selbst als Schauspielerin einen Namen gemacht. Sohn Fabian (* 1978 in Berlin) ist Synchronsprecher.

(Team Zutz - Quellen u.a.: Das große Lexikon der DDR-Stars; Internetseite Management Goldschmidt)

Filmographie (Auswahl)

Jahr

Filmtitel

Rolle

1968

Abschied

Hartinger

1971

Kennen Sie Urban?

Latowski

1974

Zum Beispiel Josef

Josef Neumann

1976

Hostess

Johannes

1977

Der kleine Zauberer und die große Fünf

Vater Schneidewind

1978

Hiev up

Smutje Eduard

1978

Sabine Wulff

Atsche

1978

Du und icke und Berlin (TV)

Dieter Koerber

1978-79

Das unsichtbare Visier (TV-Serie)

Alexander

1979

Feuer unter Deck

Langer

1979

Polizeiruf 110: Die letzte Fahrt (TV)

Uwe Wiechert

1979

Marta, Marta (TV)

Martas Vater

1980

Polizeiruf 110: Die Entdeckung (TV)

Uwe Sandau, Regisseur

1980

Der Staatsanwalt hat das Wort: Tote Stunden (TV)

Jürgen Göhlert

1981

Trompetenanton (TV)

 

1982

Polizeiruf 110: Petra (TV)

Michael "Mike" Grandel

1982

Der Staatsanwalt hat das Wort: Hoffnung für Anna (TV)

Konrad Holtfreter

1982

Generalprobe (TV)

Heinrich

1983

Der Scout (DDR/Mongolei)

Soldat Hicks

1983

Märkische Chronik (TV-Serie)

Jupp Keuner

1986

Tatort: Tödliche Blende (TV, BRD)

Heinz Borgelt

1987

Einzug ins Paradies (TV-Serie)

Fortunas

1987

Praxis Bülowbogen (TV-Serie, BRD), Ep. "Kleine Nachtmusik" & "Kein Fest für Brockmann"

Rolf Hallwachs

1988

Judgment in Berlin (BRD/USA)

Andrejew

1988

Derrick (TV-Serie, BRD), Ep. "Das Piräus-Abenteuer"

Dr. Stein

1989

Der Alte (TV-Serie, BRD), Ep. "Doppelmord"

Detlef Bugdan

1991

Rückkehr ins Leben (TV)

Wolfgang

1992

Das Haus im Ginster

Romain

1992-94

Unsere Hagenbecks (TV-Serie)

Herr Gessling

1992-2006

Wolffs Revier (TV-Serie)

Hauptkommissar Andreas Wolff

1995

Die Falle (TV)

Peter Fendt

1997

Der Doppelgänger (TV)

Andreas Augustin /
Claus Hoffmann

1998

Ich schenk dir meinen Mann (TV)

Artur Vonstein

1999

Das Traumschiff (TV-Serie), Ep. "Tahiti"

Max Stiller

1999

Ombre (TV, ITA/BRD)

Luis / De Girot / Yuri

2000

Tatort: Einsaz in Leipzig (TV)

Josef Casati

2001

Ich schenk dir meinen Mann 2 (TV)

Artur Vonstein

2005

Siska (TV-Serie), Ep. "Verlorener Sohn"

Jörg Lassberg

2006

Dresden (TV)

Gauleiter Martin Mutschmann

2007

An die Grenze (TV)

Politoffizier Hauptmann Dobbs

2007

Das Vermächtnis der heiligen Lanze (TV,
FRA/BRD/Belgien)

Heinrich Engel

2008

SOKO Leipzig (TV-Serie), Ep. Unerwarteter Nahschuss"

Erwin Mauser

2009

Das Echo der Schuld (TV)

Jack Walker

2009

Der Mann aus der Pfalz (TV)

Horst Teltschik

2010

Die Grenze (TV)

Franz Geri

2010

Masserberg (TV)

Chefarzt Dr. Studer

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