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Hannjo Hasse

Hannjo Hasse

* 31.08.1921, Bonn
† 05.02.1983, Falkensee

Biographie

Der gebürtige Rheinländer beginnt als Arbeiter und Bürogehilfe. 1938-1941 studiert er an der Berliner Ausbildungsanstalt für deutschen Bühnennachwuchs. Anschließend wird der frischgebackene Schauspielabsolvent erst zum Arbeitsdienst, dann zur Wehrmacht verpflichtet. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg besucht Hannjo Hasse 1945 noch ein halbes Jahr lang die Schauspielschule in Weimar. In Nordhausen hat er sein erstes Engagement, debütiert dort nicht nur als Darsteller, sondern agiert ebenfalls als Dramaturg und Spielleiter. Sein weiterer Weg führt ihn an die Bühnen von Eisleben, Burg, Schwerin, Potsdam. Am Hans-Otto-Theater bleibt Hasse acht Jahre, bevor er nach Berlin geht, wo er an der Volksbühne und später am Deutschen Theater wirkt. Auf der Bühne kann er sein breitgefächertes Repertoire unter Beweis stellen, überzeugt sowohl mit klassischen Charakterparts (u.a. Franz Moor, Mackie Messer, Geßler) wie mit Bufforollen in Operetten - ob im "Schwarzwaldmädel" oder der "Fledermaus".
Inzwischen ist der Künstler festes Mitglied des DEFA-Schauspielerensembles und bereichert bis zu seinem Tod zahlreiche Kino- und bald auch Fernsehfilme (darunter desöfteren ausländische Produktionen) durch seine interessante Persönlichkeit, gepaart mit schauspielerischem Können. "Wendigkeit der Gestalt und eine große Wandlungsfähigkeit - von warmer Einfühlsamkeit bis zu schneidender Kälte, Bereicherungen der Gestalten durch überzeugende Details, die eine neue Sicht der Figuren ermöglichen, und ein immer wieder neues und überraschendes Erschließen von bereits als bekannt geglaubten Geisteshaltungen einer Figur - darin liegt die Ausdrucksfähigkeit Hannjo Hasses." (Renate Seydel, 1966)
Dass er im Film vorwiegend auf die Rolle des Bösen festgelegt wird, vielfach kaltblütige Offiziere verkörpern muss, erklärt sich der Mime in einem Interview von 1962 mit der Physiognomie eines Schauspielers, die bei der Besetzung mitbestimmt: "Ich wirke arrogant, eigne mich also vom Äußeren her für diese Rollen, die durch ihre gründliche Gestaltung besonders der Jugend, die den Hitlerfaschismus nicht mehr bewußt erlebte, die ganze Gefährlichkeit dieser Verbrecher in SS-Uniform deutlich macht". Besonders eindringlich ist seine Darstellung des fanatischen Naujocks im "Fall Gleiwitz" (1961), im Gedächtnis bleibt ebenso seine Aufgabe als unerbittlicher Nazi im tschechoslowakischen Film "Vyssí princip" (Das höhere Prinzip, 1960). Mitunter lässt Hasse, dessen Wunschrollen eher die heiteren Typen sind, in seinen Bösewichten aber auch eine gewisse Komik mitspielen [Zitat: "... wenn schon Bösewichte vom Fließband, warum soll man über einen Bösewicht nicht auch einmal lachen können?"], so etwa als auf der Jagd nach Partisanen wenig erfolgreicher Major Zirrgiebel in der TV-Serie "Archiv des Todes" (1980). Beim Indianerfilm ist er als Gangster oder geldgieriger Geschäftsmann anzutreffen. Zu Hasses selteneren positiven Rollen zählt der ehrgeizige Artist Carvelli im Zirkusstreifen "Schwarze Panther" (1966). Eine heitere Aufgabe erfüllt er als Vater im Lustspiel "Ein Berg Abwasch" (TV, 1975). Neben seiner umfangreichen Tätigkeit vor der Kamera ist der 1971 mit dem Kunstpreis ausgezeichnete Schauspieler bei Synchron und Hörspiel beschäftigt.

(Team Zutz - Quellen: Unsere Filmsterne; Renate Seydel, Schauspieler; Filmschauspieler A-Z; Das große Lexikon der DDR-Stars)

Filmographie (Auswahl)

Jahr

Filmtitel

Rolle

1951

Der Untertan - als Joachim Hasse

Student

1954

Ernst Thälmann - Sohn seiner Klasse

Reichswehroffizier

1954

Stärker als die Nacht

Gestapo-Mann

1956

Das Stacheltier: Ham wa nich!

Lagerverwalter

1958

Das schwarze Bataillon (CSSR)

Wolf

1959

Kapitäne bleiben an Bord

Steuermann bei Kars

1959

Sterne (DDR/BUL)

Hauptmann

1959

Bevor der Blitz einschlägt

Dr. Schwarz

1959

Weißes Blut

Dr. Kopf

1959

Kabale und Liebe

1. Offizier

1960

Das höhere Prinzip (CSSR)

Oberkommissar

1960

Die schöne Lurette

Malicorne

1961

Der Arzt von Bothenow

Apotheker Kossak

1961

Der Fall Gleiwitz

Helmut Naujocks

1961

Gewissen in Aufruhr (TV)

Oberst Steiner

1963

An französischen Kaminen

Major Siebert

1963

Reserviert für den Tod

Hauptmann Donath

1963

Was ihr wollt (TV)

Malvolio

1964

Das Lied vom Trompeter

Pietzker

1966

Die Söhne der großen Bärin

Pitt

1966

Schwarze Panther

Leon Carvelli

1966

Ohne Kampf kein Sieg (TV)

von Siegel

1966

Lebende Ware

Eichmann

1966

Tod hinter dem Bühnenvorhang (CSSR)

Kreibe

1967

Das Mädchen auf dem Brett

Klemm

1967

Die gefrorenen Blitze

SD-Offizier Zech

1967

Der Mann aus Kanada (TV)

Braun

1968

Spur des Falken

Bludgeon

1968

Alchimisten (TV)

Parteisekretär Herbel

1969

Krupp und Krause (TV)

Direktor Dr. Dr. h.c. Mengert

1969

Mohr und die Raben von London

Manufakturbesitzer Cross

1969

Hans Beimler, Kamerad (TV)

Obersturmführer Hellmann

1970

Tödlicher Irrtum

Lee Garrett

1970

Befreiung (UdSSR)

Kluge

1971

KLK an PTX - Die Rote Kapelle

Gast in der US-Botschaft

1972

Amboß oder Hammer sein (DDR/BUL/UdSSR)

Nebe

1973

Copernicus (DDR/PL)

Ossiander

1973

Polizeiruf 110: Siegquote 180 (TV)

Direktor Schneider

1973

Unterm Birnbaum

Justizrat Vowinkel

1973

Die Brüder Lautensack (TV)

Graf Ulrich von Zinsdorff

1974

Ulzana

Wilson

1974

Polizeiruf 110: Fehlrechnung (TV)

Kerber

1974

Zum Beispiel Josef

Ausbilder in der Legion

1974

Kit & Co.

Captain Consadine

1974

Sokolovo (CSSR/UdSSR)

Heydrich

1975

Ein Berg Abwasch (TV)

Vater

1976

Hostess

Fiatbesitzer

1976

Das unsichtbare Visier (TV)

Cliff

1977

Wer reißt denn gleich vorm Teufel aus?

Hofmarschall

1980

Archiv des Todes (TV-Serie)

Major Zirrgiebel

1980

Der Baulöwe

Herr Paul

1981

Peters Jugend (DDR/UdSSR)

Kurfürst Friedrich

1981

Zieht blank, Kavaliere! (TV)

Gautier de Gommelard, Landedelmann

1982

Das Hochzeitsgeschenk (TV)

Franz Weidlich

1983

Martin Luther (TV)

De Serralonga

1983

Es war so nett in unserem Quartett (TV)

Olaf Rodler, Rentner

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