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Rolf Hoppe

Rolf Hoppe

* 06.12.1930, Ellrich (Harz)

Biographie

Der Bäckerssohn muss während des Krieges den Vater in der Backstube vertreten und beginnt auf Wunsch der Familie eine Bäckerlehre. Nach Rückkehr des Vaters aus der Gefangenschaft widmet sich Rolf seinen geliebten Tieren, arbeitet als Pferdepfleger und Kutscher auf einem nahegelegenen Gut. Außerdem findet er sich mit anderen Jugendlichen zusammen, musiziert im Chor der FDJ und gehört 1946 mit zu den Gründern des Laientheaters Ellrich, wo sich der Komödiant Hoppe offenbart. Er spielt verschiedene Rollen in einem Stück und versucht sich als Regisseur, wofür er sich Rat beim Schauspieler Hannjo Hasse vom Nordhausener Theater holt. Freunde erkennen Hoppes künstlerisches Talent, ermutigen ihn, solch eine Laufbahn anzustreben. Nach privatem Unterricht und einer Ablehnung aus Weimar erfährt er schließlich seine schauspielerische Ausbildung am Landeskonservatorium Erfurt. Sein Bühnendebüt gibt Hoppe 1950 noch als Schauspielschüler. Im Anschluss an seine Lehrzeit wird er vom Erfurter Theater übernommen. Doch hält seine Stimme der ständigen Überbeanspruchung, gepaart mit einer starken Erkältung, nicht stand: Rolf Hoppe erleidet bald eine Stimmlippenlähmung, was zunächst das Ende seiner Schauspielkarriere bedeutet. So arbeitet er als Stallbursche und Tierpfleger beim Zirkus Aeros, bevor er 1952 dank psychischer Betreuung sowie Sprech- und Atemübungen seinen Künstlerberuf wieder ausüben kann. Das erste Engagement hat er am Theater der Jungen Garde in Halle, danach ist Hoppe in Greifswald, Leipzig und für längere Zeit an den Bühnen der Stadt Gera (1955-62) tätig. Ab 1962 tritt er dann seine Verpflichtung am Dresdner Staatsschauspiel an, welches über 20 Jahre lang seine künstlerische Heimstätte werden soll. Hier feiert er Erfolge in einer Vielzahl von klassischen wie zeitgenössischen Werken, darunter Shakespeares "König Lear" oder als Dorfrichter Adam im "zerbrochenen Krug", ist beim Publikum beliebt und bei den Kritikern geachtet. Eine kurze Unterbrechung stellt in den 70er Jahren sein Engagement am Deutschen Theater Berlin dar.
Mitte der 60er Jahre ruft die DEFA, und für Rolf Hoppe fängt nun eine langjährige Beschäftigung vor den Film- und später auch Fernsehkameras an. Schnell avanciert er zu einem gefragten Darsteller, der bald zu den meistbeschäftigten gehört. Er realisiert zahlreiche Hauptrollen ("Die Hosen des Ritters von Bredow", "Hans Röckle und der Teufel", "Orpheus in der Unterwelt"), glänzt aber ebenso mit prägnanten Gestaltungen von Nebencharakteren. Oft verkörpert Hoppe den Bösewicht, mimt mehrfach den Schurken in den bekannten Indianerfilmen der DEFA, wo er als Gegenspieler von Gojko Mitić zudem seine Reitkünste unter Beweis stellen kann. Allerdings lässt sich Hoppe, der parallel zu Bühne, Film und Fernsehen als Hörspielsprecher agiert, nicht auf einen Rollentyp festlegen. Überzeugend spielt er auch wiederholt den Guten, z.B. in Kinderfilmen und Märchen, ist mal der freundliche Schleusenwärter ("Susanne und der Zauberring"), mal der gerechte König ("Drei Haselnüsse für Aschenbrödel") oder ein guter Reiter ("Der lange Ritt zur Schule"). Für seine Leistung im historischen "Goya" (DDR/UdSSR, 1971) erhält er den Kunstpreis. International bekannt wird Hoppe 1981 durch seine Rolle als Nazi-General - einer Filmfigur in Anlehnung an Hermann Göring - in "Mephisto" (HUN/BRD) neben Klaus-Maria Brandauer. Darin präsentiert der Charakterdarsteller einmal mehr seine besondere Fähigkeit, dem Bösen ein glaubwürdiges, beängstigend echtes Gesicht zu verleihen. 1997 verkörpert er nochmals treffend die schleichende Gefährlichkeit des Faschismus, mit der Person des Gauleiters Streicher im Spielfilm über die Erfolgsgeschichte der "Comedian Harmonists". In den 80er Jahren schließen sich Mitwirkungen in weiteren (Ko-)Produktionen für Film und Fernsehen des - vorwiegend deutschsprachigen - Auslands an (u.a. "Frühlingssinfonie"). Auch tritt Hoppe seit 1983 bei den Salzburger Festspielen als Mammon in "Jedermann" auf. Nach der Wende kauft der Adolf-Grimme-Preisträger einen Bauernhof in der Dresdner Heide und baut diesen zum heutigen Hoftheater Dresden aus. Damit erfüllt sich ein Traum für Prinzipal Hoppe. Gemeinsam mit seinen Töchtern Christine und Josephine sowie Freunden und Kollegen bietet er seinen Gästen kulturelle Erlebnisse der besonderen Art.
2005 wird der Künstler mit der "Goldenen Henne" für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

(Team Zutz - Quellen u.a.: Filmschauspieler A-Z; Vor der Kamera; DEFA-Stars - Legenden aus Babelsberg; Internetseite des Hoftheaters Dresden)

Filmographie (Auswahl)

Jahr

Filmtitel

Rolle

1963

Jetzt und in der Stunde meines Todes

Portier

1965

Solange Leben in mir ist

Abgeordneter

1965

Die besten Jahre

Lehrer Klein

1965

Der Frühling braucht Zeit

Rudi Wiesen

1967

Frau Venus und ihr Teufel

Siegfried

1967

Kleiner Mann - was nun? (TV)

Spannfuß

1968

Ich war neunzehn

Etappenmajor Behring

1968

Spur des Falken

James Bashan

1968

Hauptmann Florian von der Mühle

Polizeidirektor

1969

Weiße Wölfe (DDR/YUG)

James Bashan

1970

Tödlicher Irrtum

Allison

1971

Goya (DDR/UdSSR)

König Karl IV.

1972

Die gestohlene Schlacht (DDR/CSSR)

Barody

1972

Eolomea

Olo Tal

1973

Apachen

Captain Burton

1973

Susanne und der Zauberring

Schleusenwärter

1973

Die Hosen des Ritters von Bredow

Ritter Götz von Bredow

1974

Orpheus in der Unterwelt

Jupiter

1974

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (DDR/CSSR)

König

1974

Ulzana

Captain Burton

1974

Hans Röckle und der Teufel

Meister Hans Röckle

1974

Kit & Co.

Shorty

1975

Die Bösewichter müssen dran

Christian

1975

Polizeiruf 110: Die Rechnung geht nicht auf (TV)

Kramer

1976

Zur See (TV-Serie), Ep. "Die Kollision"

Havarie-Kapitän Korff

1977

Unterwegs nach Atlantis

Alexander Grey

1978

Polizeiruf 110: Doppeltes Spiel (TV)

Hopfer, Hauptbuchhalter

1980

Meines Vaters Straßenbahn (TV)

Lehrer Kirsche

1981

Mephisto (HUN/BRD)

General

1982

Rächer, Retter und Rapiere (TV-Serie)

Heinrich von Müffling

1982

Der lange Ritt zur Schule

ein guter Reiter

1983

Frühlingssinfonie (BRD/DDR)

Friedrich Wieck

1984

Ärztinnen

Dr. Böblinger

1984

Jedermann (TV, Ö)

Mammon

1985

Der Staatsanwalt hat das Wort: Hubertusjagd (TV)

Clemens Gerlach

1985

Besuch bei Van Gogh

Amadeus Bergk

1985

Sachsens Glanz und Preußens Gloria (TV)

August III., König von Polen und Kurfürst von Sachsen

1986

Das Haus am Fluß

Direktor Hüsgen

1987

Johann Strauß - Der ungekrönte König (DDR/Ö)

Herzog Ernst

1988

Melanios letzte Liebe (TV)

Melanio

1989

Der Bruch

Bruno Markward

1989

Ein brauchbarer Mann

Heiner Rudolf

1991

Ende der Unschuld (TV)

Otto Hahn

1992

Schtonk!

Karl Lentz

1993

Alles Glück dieser Erde (TV-Serie)

Jakob Eicke

1994

Wachtmeister Zumbühl (CH/BRD/FRA)

Gemeindepräsident Mathis

1995

Matulla und Busch (TV)

Senft

1996

Tatort: Parteifreunde (TV)

Eberhard Sudhoff

1996

Polizeiruf 110: Kurzer Traum (TV)

Goertz

1997

Der Hauptmann von Köpenick (TV)

Zuchthausdirektor

1997

Tatort: Tödlicher Galopp (TV)

Tierarzt Karsunke

1997

Comedian Harmonists

Gauleiter Julius Streicher

1998

Sardsch (TV)

Heinz Baranowski

1998

Der Handymörder (TV)

Wolfgang Dreher

2000

Am Ende siegt die Liebe (TV)

Max Sander

2001

Das Rätsel des blutroten Rubins (TV)

Kellermann

2003

Tatort: Der schwarze Troll (TV)

Dr. Paul Knödgen

2004

Wilsberg: Tod einer Hostess (TV)

Erwin Kuhn

2004

Alles auf Zucker!

Rabbi Ginsberg

2007-09

Commissario Laurenti (TV-Reihe)

Galvano

2008

Der Besuch der alten Dame (TV)

Georg Riemann

2009

So ein Schlamassel (TV)

Mosche "Zaide" Pulver

2010

Martha geht tanzen (TV)

Wilhelm

Literatur

Eberhard Görner (Hrsg.)
Der Schauspieler Rolf Hoppe
Von Dresden in die Welt
Henschel Verlag Berlin 1996
ISBN: 3-89487-253-5

Dieter Zumpe
Rolf Hoppe
Geträumtes Leben - Gelebte Träume
Edition Sächsische Zeitung, November 2007
ISBN 3938325305 / 978-3938325308

Link

Internetseite des Hoftheaters Dresden
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