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Reinhard Kolldehoff
(Archiv Volker Wachter)

Reinhard Kolldehoff
(auch: René Kolldehoff)

* 29.04.1914, Berlin
† 19.11.1995, Berlin

Fotos

Biographie

Der Sohn eines Postbeamten findet schon früh den Weg zur Bühne, denn er finanziert sich sein Abitur durch Statistenrollen am Großen Schauspielhaus und an der Staatsoper in Berlin. Nach privatem Schauspielunterricht debütiert Kolldehoff 1936 in Altenburg, er spielt anschließend u.a. in Remscheid, Danzig und Hamburg. 1941 erstmals beim Film aktiv, muß der Mime dann jedoch in den Krieg ziehen. Nach 1945 spielt er meist an Berliner Bühnen, so am Deutschen Theater, am Hebbel-Theater und an der Komödie. Sein eigentliches Metier wird aber bald die Arbeit vor den Kameras. So ist Kolldehoff am Anfang seiner Filmlaufbahn auch in acht DEFA-Streifen präsent. Er spielt im Justizdrama "Affaire Blum" die kleine Rolle des Lehrers Tischbein, in Wolfgang Staudtes "Rotation" stellt er einen SA-Mann dar, im antifaschistischen Streifen "Die letzte Heuer" verleiht er schließlich einem unsympathischen Kommissar Profil. Seine einzige DEFA-Hauptrolle wird der Kriegsheimkehrer Jupp Ucker in dem Film "Bürgermeister Anna".
Ab 1951 ist Kolldehoff dann ausschließlich in westlichen Produktionen tätig. Der Mime mit dem "grobschlächtigen Charakterkopf" und der markanten, polternden Stimme beginnt bald eine internationale Karriere, die ihn in viele Länder der Erde führen soll. Meist sind ihm zwielichtige, brutale Typen beschieden, Schurken, Haudegen, nazistische Generäle. Die Liste seiner Partner und Regisseure gleicht einem internationalen Filmlexikon. Gelegentlich kann Kolldehoff - in seinen besten Zeiten ein 140-Kilo-Mann - dieses Rollenklischee auch karikieren, so an der Seite von Bud Spencer und Terence Hill in dem italienischen Streifen "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle". Eine bemerkenswerte Charakterrolle ist im Jahre 1970 der schlesische Flüchtlingspfarrer in Peter Fleischmanns Film "Das Unheil".
Kolldehoff, der auch umfangreich bei Funk, Fernsehen und in der Synchronisation tätig ist, muß Ende der 80er Jahre die erfolgreiche Laufbahn aufgrund der Parkinsonschen Krankheit beenden. Seine letzte Rolle in der Serie "Forstinspektor Buchholz" absolviert er bereits im Rollstuhl. In späteren Jahren schwächt ihn dann auch noch eine schwere Diabetes. "Ja, mein Leben war sehr bunt", schreibt Kolldehoff im März 1995 an den Autor dieses Beitrages. "Eine schöne Karriere durch Dreiviertel der Welt, man nannte mich Weltstar. Ein schönes Gefühl. Beliebt und geachtet. Was bleibt - total arbeitsunfähig! Da hat der liebe Gott mal wieder Mist gebaut, u.a. kann ich überhaupt nicht laufen..." Der liebevoll gehaltene Brief endet mit den Worten "Genießen Sie Ihr Leben, es ist sehr kurz und vergeht viel zu schnell". Nur wenige Monate später wird Reinhard Kolldehoff selbst von seinem Leiden erlöst.

(Volker Wachter)

Filmographie (Auswahl)

Jahr

Filmtitel

Rolle

1941

Der Gasmann (D)

Polizist

1948

Affaire Blum

Max Tischbein

1949

Das Mädchen Christine

Leutnant

1949

Quartett zu fünft

Patient

1949

Rotation

Rudi Wille

1949

Unser täglich Brot

Polizist

1950

Der Auftrag Höglers

Fichte

1950

Bürgermeister Anna

Jupp Ucker

1951

Die letzte Heuer

Kommissar

1955

Oberwachtmeister Borck (BRD)

Spediteur Süßkind

1956

Der Hauptmann von Köpenick (BRD)

betrunkener Grenadier

1959

Der Frosch mit der Maske (BRD/DK)

Lew Brady

1960

Die 1000 Augen des Dr. Mabuse (BRD/FRA/ITA)

Klumpfuß

1961

Die seltsame Gräfin (BRD)

John Addams

1965

Und die Wälder werden schweigen (FRA/ITA)

Mandru

1966

General Fiaskone (FRA)

Gestapochef

1969

Die Verdammten (BRD/ITA)

Baron Konstantin von Essenbeck

1970

Das Unheil (BRD/FRA)

Pfarrer

1972

Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle (ITA)

Mr. Ears

1975

Je t'aime (FRA)

Boris

1978

Sie nannten ihn Mücke (ITA/BRD)

Colonel Martin

1980

Die Paulskirche (TV, BRD)

Ernst Moritz Arndt

1983

Der Feuersturm (TV-Serie, USA)

Hermann Göring

1985

Die Dame vom Palace-Hotel (FRA/BRD)

Ferenczy

1988

Mond über Parador (USA)

Gunther

1989

Forstinspektor Buchholz (TV-Serie, BRD)

Baron von Alsfeld

Fotos

Autogrammfoto (Archiv Volker Wachter)
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