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Alfred Müller

Alfred Müller

* 04.07.1926, Berlin
† 02.12.2010, Berlin

Biographie

Das Arbeiterkind vom Berliner Wedding hat von früh an eine Vorliebe für die Schauspielerei, absolviert 1940-43 aber zunächst eine Mechanikerlehre. Danach werden Müllers Pläne für eine künstlerische Laufbahn durch die Kriegsteilnahme verhindert. Nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft studiert er ab 1949 Musik, wirkt in Theatervereinen und Laienspielgruppen und besucht 1952-55 schließlich die Staatliche Schauspielschule Berlin-Schöneweide. Das erste Bühnenengagement führt den frischgebackenen Diplom-Schauspieler Alfred Müller ans Theater der Bergarbeiter in Senftenberg, wo er seine spätere Ehefrau Eva, von Beruf Kostümbildnerin, kennen lernt. Dort arbeitet er außerdem mit Regisseur Horst Schönemann zusammen, der an Müllers künstlerischer Entwicklung nicht unwesentlich beteiligt ist. Mit ihm kehrt Müller 1959 auch in seine Geburtsstadt zurück, ist bis 1965 und dann wieder von 1972 bis 1984 am Maxim-Gorki-Theater tätig. Die größten Erfolge erlangt der vielseitige Mime in "Rollen von feiner Komik mit ernstem Hintergrund" (Ehrentraud Novotný, 1974). Hierzu zählt besonders der Phileas Fogg aus Jules Vernes "Reise um die Erde in 80 Tagen", ein klassischer "British Gentleman" der viktorianischen Ära Englands, dessen Snobismus und distinguierte Ruhe Müller dem Publikum mit Ironie und Intelligenz vermittelt.
Zwischenzeitlich (1965-72) gehört Müller, der selbst gern mit seiner Schmalfilmkamera unterwegs ist, dem DEFA-Ensemble an. Fünf Jahre zuvor, 1960, entdeckt ihn Kurt Jung-Alsen für den Film und eröffnet ihm damit eine neue Ebene der Darstellungskunst. Den Durchbruch auf der Leinwand erringt er als Kundschafter Hansen im spannenden Spionagestreifen "For eyes only" (1963). Dank dieser Aufgabe wird Müller den Kinogängern in der ganzen Republik bekannt und steht fortan für eine Vielzahl weiterer Rollen vor der Kamera, verkörpert Charaktere mit heiterem wie ernstem Grundton sowohl in zeitgenössischen Stoffen als auch in historischen. In der seinerzeit verbotenen, gesellschaftskritischen Produktion "Das Kaninchen bin ich" (1965) spielt Müller die Schlüsselfigur des Richters. Für seine überzeugende Gestaltung des Karl Marx im Film "Mohr und die Raben von London" erhält er 1969 den Nationalpreis. Etwa zur gleichen Zeit wie der Film, wird auch das Fernsehen auf den Schauspieler aufmerksam und betraut ihn mit interessanten Parts. So sieht man ihn auf dem Bildschirm u.a. als Kunstflieger Ernst Udet in der mehrteiligen Brauchitsch-Biographie "Ohne Kampf kein Sieg" (1966) oder als der Begründer sowie in späteren Folgen als Generaldirektor der Carl Zeiss Jena Werke in der "gläsernen Fackel" (1989). Ein glänzendes Beispiel für Müllers komödiantisches Temperament und seine Freude an der Verwandlung bildet der "Mundart nuschelnde Briefträger" Alois Wachtel aus den Silvesterschwankgeschichten um das "Ferienheim Bergkristall" (1983-89).
Auf der Bühne können die Zuschauer Müller, der neben Film-, Fernseh-, Hörpiel- und Synchronverpflichtungen auch gewerkschaftlich aktiv ist, in literarisch-musikalischen Programmen oder Revuen des Friedrichstadtpalastes erleben. Mehrfach ist Helga Hahnemann seine Partnerin, so im legendären Richtersketch. Nach der Wende gastiert er z.B. an Theatern in Dessau (Titelrolle im "Hauptmann von Köpenick"), Hagen oder Dresden. In Berlin agiert er in Musicals wie "Anything Goes" oder "Blue Jeans" am Theater des Westens und spielt gemeinsam mit seinen Kollegen und Freunden Günter Schubert und Hans Teuscher beim Theater am Kurfürstendamm. Gelegentlich nimmt Müller auch Auftritte vor der Kamera wahr, begeistert beispielsweise die kleinen Zuschauer als Opa Gustav in der Serie "Pengo! Steinzeit!" (2002).

(Team Zutz - Quellen u.a.: Renate Seydel, Schauspieler; Vor der Kamera; Zeitungsartikel)

Filmographie (Auswahl)

Jahr

Filmtitel

Rolle

1960

Die heute über 40 sind

Gestapomann

1961

Der Schwur des Soldaten Pooley (TV)

Fross

1961

Der Ermordete greift ein (TV)

Olaf Svendström

1963

For eyes only (Streng geheim)

Hansen

1965

Solange Leben in mir ist

Gustav Krupp von Bohlen

und Halbach

1965

Das Kaninchen bin ich

Paul Deister

1966

Ohne Kampf kein Sieg (TV)

Ernst Udet

1966

Geheimkommando Bumerang (TV)

Oberleutnant Werner Schütt

1966

Schatten über Notre Dame (TV)

Gaston Vernon

1967

Die gefrorenen Blitze

Dr. Grunwald, Ingenieur

1967

Turlis Abenteuer

Muriel, Eselshändler

1968

Leben zu zweit

Peter Freund

1969

Das siebente Jahr

Werner Wilfurth

1969

Mohr und die Raben von London

Karl Marx

1970

Meine Stunde Null

Gefreiter Blumhagen

1970

Netzwerk

Dr. Hans Kahler

1970

Signale - Ein Weltraumabenteuer

Konrad

1971

KLK an PTX - Die Rote Kapelle

Wolfgang Langhoff

1971

Anflug Alpha 1

Major Thomas Milan

1972

Laut und leise ist die Liebe

Fritz Hempel

1973

Der kleine Kommandeur

Major Krause

1974

Visa für Ocantros (TV)

Martin Katrup

1978

Das Versteck

Paul Ludorf

1979

Die lange Straße (TV)

Michel Hollmann

1983-89

Ferienheim Bergkristall (TV-Reihe)

Alois Wachtel

1984

Erscheinen Pflicht

Kratt

1984

Klassenkameraden (TV)

Hannes Bergemann

1988

Tiere machen Leute (TV-Serie)

Dr. Butzke

1989

Die gläserne Fackel (TV)

Carl Zeiss / Robert Steinhüter

1992

Sherlock Holmes und die sieben Zwerge (TV)

Hans Holms

1993

Tatort: Verbranntes Spiel (TV)

Kommissar Ballmann

1994

Polizeiruf 110: Totes Gleis (TV)

Schorn

1995

Nikolaikirche (TV)

Linus Bornowski

1997

Polizeiruf 110: Der Sohn der Kommissarin (TV)

Tanjas Chef

2000

Heimatgeschichten: Osterfeuer (TV)

Fritz Liebmann

2002

Pengo! Steinzeit! (TV-Serie)

Gustav Schimmelpfennig

2004

Das Bernsteinamulett (TV)

Dr. Wiedemann

2005

Finanzbeamte küsst man nicht (TV)

Friedemann Ellermann

2007

SOKO Wismar (TV-Serie), Ep. "Feuerstühle"

Eddie Ochs

2009

Unser Charly (TV-Serie), Ep. "Charlys Schatz"

Gustav Jansen

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