zur Darstellerübersicht

Gisela Uhlen
Foto: DEFA-Wenzel

Gisela Uhlen
(Gisela Friedlinde Schreck)

* 16.05.1919, Leipzig
† 16.01.2007, Köln

Biographie

Gisela Uhlen gehört zu den deutschsprachigen Schauspielerinnen, die nicht nur wegen ihrer künstlerischen Leistungen, sondern auch aufgrund eines turbulenten Privatlebens im Mittelpunkt der Öffentlichkeit stehen. Mehrere Ehen, Affären, Familienstreitigkeiten, Zusammenbrüche, Selbstmordversuche und eine spektakuläre Flucht in den Osten Deutschlands bieten der Boulevardpresse reichlich Stoff. Doch die Uhlen erweist sich immer wieder als Stehaufmännchen.
Als Tochter eines ehemaligen Postbeamten, Opernsängers und jetzigen Fabrikbesitzers in Leipzig geboren, wächst die kleine Gisela Friedlinde Schreck, die sich später Uhlen nennen sollte, "in ihrer seelischen Entwicklung unbehütet, nur ihrem eigenen kindlichen Instinkt vertrauend" heran. Sie will Tänzerin werden, besucht die berühmte Wigman-Schule für modernen Ausdruckstanz. Später nimmt die Uhlen Schauspielunterricht und beginnt 1936 eine lange, erfolgreiche Karriere bei Bühne, Film und später auch beim Fernsehen. Die Künstlerin mit dem charmanten Lächeln spielt die klassischen Jungmädchen-Rollen, sie wechselt dann erfolgreich in das Fach der älteren, reiferen Frauen. Ihr Leinwanddebüt gibt die Siebzehnjährige mit der Titelrolle im Liebesdrama "Annemarie". Während der Naziära bleiben auch Rollen in Propagandastreifen nicht aus. Dunkle Wolken ziehen Mitte der 50er Jahre herauf: Uhlens Ex-Gatte versucht, ihr das Erziehungsrecht für die gemeinsame Tochter Barbara aberkennen zu lassen. Uhlen und ihr Lebenspartner, der Schauspieler Wolfgang Kieling, flüchten daraufhin in die DDR, wo man sie natürlich mit offenen Armen empfängt.
Die Künstlerin spielt Theater und bekommt einen Filmvertrag bei der DEFA, wo sie mit der Rolle der treusorgenden Ehegattin im biografischen Streifen "Robert Mayer - Der Arzt aus Heilbronn" debütiert. Auch die Gräfin Orsina in der Klassikeradaption "Emilia Galotti", die junge, schöne und liebesbedürftige Lehrerin Sabine in "Reifender Sommer" sowie die Marie Jäger im Drama "Der Prozeß wird vertagt" sind mehr oder weniger dankbare Aufgaben. Auch in einigen Fernsehproduktionen des DFF steht die Mimin vor der Kamera, so als Titelgestalt in "Mirandolina". Die Uhlen erinnert sich: "Meine ersten Fernsehspiele waren abenteuerliche, gewagte Unternehmen. Bei nahe fünfzig Grad Hitze stolperten wir in Lifesendungen über Kabel oder zogen uns im Off am Fußboden kauernd um."
Ende der 50er Jahre kehrt Gisela Uhlen in den Westen zurück, wo sie ihre Karriere nahtlos fortsetzen kann. Sie steht auf vielen Bühnen, gründet im reiferen Alter gar ein Tourneetheater, filmt und wirkt intensiv beim Fernsehen. Für ihre Darstellungskunst im Fassbinder-Streifen "Die Ehe der Maria Braun" erhält sie den Bundesfilmpreis. Eine große Popularität beschert ihr auch die Rolle der couragierten und exzentrischen Mutter von Förster Rombach in der Familienserie "Forsthaus Falkenau" (1989-2006). Gisela Uhlen, die mehrere Memoirenbände schreibt und zuletzt an einem Roman arbeitet, ist u.a. mit den Regisseuren Hans Bertram und Herbert Ballmann sowie mit dem Schauspieler Wolfgang Kieling verheiratet. Sie hinterlässt die Töchter Barbara und Susanne, letztere eine ebenfalls sehr beliebte Schauspielerin.

(Volker Wachter)

Filmographie (Auswahl)

Jahr

Filmtitel

Rolle

1936

Annemarie (D)

Annemarie Brinkmann

1938

Tanz auf dem Vulkan (D)

Angele Destouches, Schauspielerin

1940

Zwischen Hamburg und Haiti (D)

Anna Wittstock

1941

Ohm Krüger (D)

Petra

1942

Rembrandt (D)

Hendrickje Stoffels, Magd

1944

Die Zaubergeige (D)

Agnes

1952

Türme des Schweigens (BRD)

Helen Morrison

1955

Robert Mayer - Der Arzt aus Heilbronn

Wilhelmine Mayer

1956

Das Traumschiff

Michaela Gast

1956

Mirandolina (TV)

Mirandolina

1957

Herr Lamberthier (TV)

Germaine

1958

Emilia Galotti

Gräfin Orsina

1958

Der Prozeß wird vertagt

Marie Jäger

1959

Reifender Sommer

Sabine Gärtner

1961

Die kleinen Füchse (TV, BRD)

Regina Giddens

1962

Die Tür mit den sieben Schlössern (BRD)

Emely Cody

1963

Das indische Tuch (BRD)

Mrs. Tilling

1965

Hotel der toten Gäste (BRD/FRA/ESP)

Ruth Cornell

1967

Der Tod läuft hinterher (TV, BRD)

Myrna Collins

1968

Lady Hamilton - Zwischen Schmach
und Liebe (BRD/FRA/ITA)

Mrs. Love

1979

Die Ehe der Maria Braun (BRD)

Mutter

1980

Meister Eder und sein Pumuckl (BRD)

Gräfin

1996

Die Katze von Kensington (TV)

Lady Smith

1989-2006

Forsthaus Falkenau (TV-Serie)

Inge Rombach

Literatur

Gisela Uhlen
Mein Glashaus
Roman eines Lebens
Hestia Verlag Bayreuth 1978
ISBN 3-7770-0178-3

Gisela Uhlen
Meine Droge ist das Leben
Beltz Quadriga Weinheim 1993
ISBN 3-88679-199-8

Gisela Uhlen
Umarmungen und Enthüllungen
Collage eines Lebens
Parthas Verlag Berlin 2002
ISBN 3-932529-33-2
nach oben Filmsterne A-Z nach Hause