
Foto: Kiesling
Armin Mueller-Stahl
* 17.12.1930, Tilsit
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Biographie
Musikstudium (Geige), Examen als Musiklehrer, Schauspielunterricht endet nach einem Jahr wegen mangelnder Begabung, 1952 Engagement am Theater am Schiffbauerdamm in Berlin, 1954 Wechsel an die Volksbühne, dort bis 1979, ab 1980 Arbeit im Westen, seit 1986 auch im US-Film tätig, lebt seit den 90er Jahren wechselnd in Hollywood und Berlin. Nach Lustspielrollen hat Mueller-Stahl seinen Durchbruch im Film mit Frank Beyers Spanienkämpfer-Film "Fünf Patronenhülsen" (1959/60). Mit dem vierteiligen Abenteuerfilm "Flucht aus der Hölle" (TV, 1960) wird er beim Fernsehpublikum populär. Mueller-Stahl bevorzugt jedoch seriöse Stoffe und kann sich in Literaturadaptionen als Charakterdarsteller etablieren. Der Wolfgang Pagel in der Fallada-Verfilmung "Wolf unter Wölfen" (TV, 1965) ist die Rolle, in der er sich als Darsteller gebrochener Rollen auch beim breiten Publikum durchsetzt. Daneben tritt er wiederholt in Genre-Filmen auf, so 1970 in dem Indianerfilm "Tödlicher Irrtum". [...]
In den 70er Jahren erringt er durch die Kundschafter-Reihe "Das unsichtbare Visier" (TV, 1973-76) als Achim Detjen, ein "sozialistischer James Bond", große Popularität und wird von den Lesern der "FF dabei" als Fernsehliebling gewählt. In Fernsehsendungen kann er auch sein musikalisches Talent zur Geltung bringen, so als Musik-Clown in der "Nacht der Prominenten". Er ist auch Kunst- und Nationalpreisträger.
Als nach seinem Protest gegen die Ausbürgerung des Dissidenten Wolf Biermann attraktive Angebote in der DDR ausbleiben, übersiedelt Mueller-Stahl in die Bundesrepublik. Die großen Potenzen des Charakterdarstellers werden von Regisseuren wie Rainer Werner Fassbinder, Axel Corti und Alexander Kluge erkannt und genutzt, auch ausländische Regiestars wie Andrzej Wajda, Patrice Chéreau und Istvan Szábo versichern sich seiner Mitwirkung in großen Produktionen. Schließlich wird Mueller-Stahl im Hollywood-Film erfolgreich und mehrfach für den Oscar nominiert. Mit dem in Babelsberg gedrehten Hitler-Film "Gespräch mit einer Bestie" debütiert er als Regisseur. Seine Schwester Dietlind Mueller-Stahl (geb. 1938, u.a. Djamila in "Flucht aus der Hölle", TV, 1962, Mutter in "Rheinsberg", TV, 1989) ist als Schauspielerin langjährig am Berliner Ensemble tätig. Sein Bruder Hagen Mueller-Stahl (geb. 21.9.1926 in Tilsit) arbeitet vorrangig als Regisseur, tritt aber gelegentlich auch als Schauspieler hervor ("Schwarzer Lohn und weiße Weste", BRD, 1985). Armin Mueller-Stahls Sohn Christian (geb. 1976) wird ebenfalls Schauspieler und wirkt u.a. in "Utz" (1993, GB/I/D) mit, in dem sein Vater die Hauptrolle spielt.
(F.-B. Habel & Volker Wachter, "Das große Lexikon der DDR-Stars")
Filmographie (Auswahl)
Jahr |
Filmtitel |
Rolle |
1956 |
Heimliche Ehen |
Norbert |
1956 |
Das Stacheltier: Der Querkopf |
Kulickes Sohn |
1960 |
Die Flucht aus der Hölle (TV) |
Hans Röder |
1960 |
Fünf Patronenhülsen |
Pierre Gireau, Franzose |
1962 |
Königskinder |
Michael |
1962 |
Die letzte Chance (TV) |
Seiser |
1962 |
... und deine Liebe auch |
Ulli |
1963 |
Nackt unter Wölfen |
André Höfel |
1963 |
Der andere neben dir (TV) |
Reinhard Marschner |
1963 |
Christine |
Willibald Güttler |
1964 |
Preludio 11 (DDR/Kuba) |
Quintana |
1964 |
Alaskafüchse |
sowjetischer Arzt |
1965 |
Wolf unter Wölfen (TV) |
Wolfgang Pagel |
1967 |
Ein Lord am Alexanderplatz |
Dr. Achim Engelhardt |
1968 |
Wege übers Land (TV) |
Jürgen Leßtorff |
1970 |
Tödlicher Irrtum |
Chris Howard |
1970 |
Kein Mann für Camp Detrick (TV) |
Oberleutnant Heide |
1972 |
Der Dritte |
Blinder |
1972 |
Januskopf |
Dr. Brock |
1973 |
Die Hosen des Ritters von Bredow |
Dechant |
1973-76 |
Das unsichtbare Visier (TV) |
Achim Detjen alias Werner Bredebusch |
1974 |
Jakob der Lügner |
Roman Schtamm |
1976 |
Nelken in Aspik |
Wolfgang Schmidt |
1977 |
Die Flucht |
Schmith |
1978 |
Geschlossene Gesellschaft (TV) |
Robert |
1981 |
Lola (BRD) |
von Bohm |
1981 |
Collin (TV, BRD) |
Andreas Roth |
1982 |
Die Sehnsucht der Veronika Voss (BRD) |
Max Rehbein |
1982 |
An uns glaubt Gott nicht mehr (TV, BRD) |
Gandhi |
1983 |
Der verführte Mann (FRA) |
Vater |
1983 |
Eine Liebe in Deutschland (BRD/FRA) |
Mayer |
1984 |
Tatort: Freiwild (TV, BRD) |
Dr. Konrad Ansbach |
1986 |
Momo (BRD) |
Chef der grauen Männer |
1987 |
Amerika (TV, USA) |
General Petya Samanov |
1989 |
Music Box - Die ganze Wahrheit (USA) |
Mike Laszlo |
1990 |
Avalon (USA) |
Sam Krichinsky |
1991 |
Night on Earth (USA) |
Helmut Grokenberger |
1991 |
Kafka (USA/GB/FRA) |
Grubach |
1992 |
Utz (GB/ITA/D) |
Baron von Utz |
1993 |
Das Geisterhaus (BRD/POR/DK) |
Severo |
1993 |
Der Kinoerzähler |
Kinoerzähler |
1995 |
Brennende Liebe (USA) |
Mr. Linzer |
1997 |
Gespräch mit dem Biest - auch Buch und Regie |
Adolf Hitler |
1999 |
Jakob der Lügner (USA) |
Dr. Kirschbaum |
2001 |
Die Manns - Ein Jahrhundertroman (TV) |
Thomas Mann |
Literatur
Armin Mueller-Stahl
Unterwegs nach Hause. Erinnerungen
Marion von Schröder Verlag/Econ, Düsseldorf 1997
Gabriele Michel
Armin Mueller-Stahl - Die Biografie
Ein intimes Porträt des großen Charakterdarstellers
List-Verlag, 2000
ISBN 3-471-79426-3
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