Manfred Krug
* 08.02.1937, Duisburg
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Biographie
Nach Scheidung der Eltern zieht Krug 1949 zu seinem Vater, der im Stahl- und Walzwerk Brandenburg arbeitet, macht dort eine Lehre als Schmelzer, Beginn eines Studiums an der Schauspielschule Berlin-Schöneweide 1954, nach Exmatrikulation Eleve am Berliner Ensemble und Bühnenreifeprüfung. Krug arbeitet von Anfang an freischaffend für das Fernsehen, wo ihm größere Rollen übertragen werden, und die DEFA, wo er anfangs auf Chargenrollen von Halbstarken festgelegt ist. Eine erste große Filmrolle erhält Krug von Frank Beyer als polnischer Interbrigadist Oleg in "Fünf Patronenhülsen" (1960). Den Durchbruch beim breiten Publikum schafft Krug 1962 mit Ralf Kirstens Gegenwartskomödie um Schauspielstudenten "Auf der Sonnenseite", die mit autobiografischen Elementen angereichert ist. Von jetzt an ist Krug ein Kassenmagnet, eine Wirkung, die sich verstärkt, als er seine Tourneen mit jazzhaften Chansons unternimmt, die er im Laufe der Jahre auf zehn Langspielplatten veröffentlicht. Krug spielt verwegene Helden in der Tradition der Mantel-und-Degen-Filme, aber auch immer wieder in Gegenwartsfilmen. Er gibt Parteisekretäre und andere Funktionäre und deren Gegenspieler, tritt gelegentlich in Episodenrollen von Literaturadaptionen auf. Seine Wirkung erklärt die Kritikerin Rosemarie Rehahn 1995 aus dem "lässig gehandhabten Widerspruch zwischen mächtig auftrumpfender Männlichkeit und einer Seele, die auf Zehenspitzen geht". In einer seiner wichtigsten Filmrollen ist er nur ein paar Tage zu sehen, bevor "Spur der Steine" von Frank Beyer nach Erik Neutsch 1966 für knapp zweieinhalb Jahrzehnte verboten wird. Krug spielt den Brigadier Balla mit einem Hang zum Anarchismus, der gute Arbeit leistet, sich aber kollektiven Bemühungen nicht unterordnen will. Eine öffentliche Diskussion, die der Film hätte auslösen können, war für die maßgeblichen Funktionäre undenkbar. Krug spickt seine Figuren mit Ironie und komödiantischer Verve, wenn er z.B. in dem Lustspiel "Mit mir nicht, Madam!" (1968/69) in mehreren Rollen auftritt. Mitunter ist in einigen Filmen nur seine Stimme zu hören, wenn er jazzige Lieder beisteuert, wie in dem Erfolgslustspiel "Der Mann, der nach der Oma kam" (1971/72). Der populäre Künstler wird mehrfach ausgezeichnet, darunter zweimal mit dem Nationalpreis und mit der Verdienstmedaille der DDR. Als Manfred Krug zusammen mit anderen Künstlern im Spätherbst 1976 gegen die Ausbürgerung des Dissidenten und Liedermachers Wolf Biermann protestiert, werden Krugs fertige Filme nicht abgenommen, Dreharbeiten neuer Produktionen annulliert, seine Konzerte boykottiert. Er entschließt sich, 1977 mit seiner Familie in den Westen überzusiedeln.
In der Bundesrepublik schläft Krugs Gesangskarriere langsam ein. Er hat aber als Schauspieler Erfolg, dreht populäre Fernsehserien und -filme, ist ab 1984 der "Tatort"-Kommissar Stoever, ab 1987 ein Berliner Rechtsanwalt in der langlebigen Serie "Liebling Kreuzberg". Ende 1989 kann er in Ostberlin der zweiten Premiere seines Films "Spur der Steine" beiwohnen, der 1990 erfolgreich in deutschen Kinos läuft. Nach einem überstandenen Herzinfarkt zieht sich Krug zur Jahrhundertwende von der Schauspielerei zurück. Er veröffentlicht neue erfolgreiche CDs, auf denen er auch gemeinsam mit seiner Tochter, der Schauspielerin Fanny Krug, singt, und schreibt Bücher. Manfred Krug, der auch vielfach in Werbefilmen auftritt, schreibt über seine Erlebnisse nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns das Buch "Abgehauen", das 1997 durch Frank Beyer verfilmt wird.
(F.-B. Habel & Volker Wachter, "Das große Lexikon der DDR-Stars")
Filmographie (Auswahl)
Jahr |
Filmtitel |
Rolle |
1957 |
Vergeßt mir meine Traudel nicht |
Mann im Café "Lila" |
1958 |
Ein Mädchen von 16 1/2 |
Freddy |
1959 |
Reportage 57 |
Biene |
1959 |
Bevor der Blitz einschlägt |
Wolfgang, Lokomotivbauer |
1960 |
Leute mit Flügeln |
Dave |
1960 |
Was wäre, wenn...? |
Christian Dahlke |
1960 |
Fünf Patronenhülsen |
Oleg Zalewski, Pole |
1961 |
Professor Mamlock |
SA-Sturmbannführer |
1961 |
Drei Kapitel Glück |
Fritz |
1961 |
Guten Tag, lieber Tag |
Peter |
1962 |
Auf der Sonnenseite |
Martin Hoff |
1962 |
Königskinder |
Hauptmann |
1962 |
Revue um Mitternacht |
Alexander Ritter |
1962 |
Minna von Barnhelm |
Werner |
1962 |
Der Kinnhaken - auch Co-Autor |
Georg Nikolaus |
1963 |
Beschreibung eines Sommers |
Thomas "Tom" Breitsprecher |
1963 |
Nebel |
Jazz-Sänger |
1963 |
Der Boxer und der Tod (CSSR) |
Kraft |
1964 |
Mir nach, Canaillen! - auch Co-Autor |
Alexander |
1965 |
Die antike Münze (DDR/BUL) |
Karl Schneider |
1965 |
König Drosselbart |
König Drosselbart |
1965 |
Wenn du groß bist, lieber Adam |
Konstantin |
1966 |
Spur der Steine |
Hannes Balla |
1967 |
Frau Venus und ihr Teufel - auch Co-Autor |
Hans Müller / Tannhäuser |
1967 |
Die Fahne von Kriwoj Rog |
Jule Hammer |
1968 |
Hauptmann Florian von der Mühle |
Hauptmann Florian |
1968 |
Wege übers Land (TV) |
Willi Heyer |
1969 |
Käuzchenkuhle |
Hauptmann |
1969 |
Weite Straßen - stille Liebe |
Hannes Kass |
1970 |
Meine Stunde Null |
Kurt Hartung |
1970 |
Netzwerk |
Schaffrath |
1971 |
Husaren in Berlin |
Hadik |
1972 |
Die gestohlene Schlacht (DDR/CSSR) |
Christian Käsebier |
1973 |
Stülpner-Legende (TV-Serie) |
Karl Stülpner |
1974 |
Wie füttert man einen Esel |
Fred |
1976 |
Daniel Druskat (TV) |
Max Stephan |
1976 |
Feuer unter Deck |
Otto Scheidel |
1978 |
Das Versteck |
Max Brink |
1978-1995 |
Auf Achse (TV-Serie, BRD) |
Franz Meersdonk |
1982 |
Die Fischer von Moorhövd (TV-Serie, BRD) |
Detlef Detlefsen |
1982-1983 |
Sesamstraße (TV-Serie, BRD) |
Manfred |
1983 |
Konsul Möllers Erben (TV, BRD) |
John Schmidt |
1984-2001 |
Tatort (TV-Reihe, BRD) |
Hauptkommissar Paul Stoever |
1986 |
Whopper Punch 777 (BRD) |
Vater Paletti |
1986 |
Detektivbüro Roth (TV-Serie, BRD) |
Bruno Roth |
1987-1998 |
Liebling Kreuzberg (TV-Serie, BRD) |
Rechtsanwalt Robert Liebling |
1990 |
Neuner |
Neuner |
1994 |
Der Blaue |
Otto Skrodt |
1994 |
Wir sind auch nur ein Volk (TV) |
Benno Grimm |
Literatur
Manfred Krug
Abgehauen
Ein Mitschnitt und Ein Tagebuch
ECON Verlag Düsseldorf 1996, 2. Auflage
ISBN 3-430-15723-4
Ralf Schenk (Hrsg.)
Manfred Krug: Die großen Kinofilme
Mit Exklusiv-Interview
Parthas Verlag Berlin 1997
ISBN 3-932529-01-4
Manfred Krug
Mein schönes Leben
ECON Verlag München 2003
ISBN 3-430-15733-1
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