Marianne Wünscher
* 30.12.1930, Berlin
† 09.08.1990, Berlin
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Biographie
Die füllige Künstlerin mit Charme stammt aus einfachen Verhältnissen, hilft als Kind in der elterlichen Wäscherei. Zu ihrem Beruf kommt sie eher zufällig, als sie mit ihrer Schulfreundin kurzentschlossen an einer der nach dem Krieg neueröffneten Schauspielschulen vorspricht. Schon damals zeigen sich ihr komisches Talent und ihre Wandlungsfähigkeit, womit sie die Prüfenden bestens unterhält und überzeugt. Darauf folgt 1947-1951 ihre Ausbildung zur Schauspielerin (bei Fritz Kirchhoff sowie Marie Borchardt), die sich Marianne Wünscher u.a. als Rundfunkansagerin und Hörspielsprecherin verdient. Den Anfang ihrer Bühnenlaufbahn macht die frischgebackene Absolventin am Deutschen Theater. Außerdem sammelt sie Kabarett-Erfahrungen in der "Parodie". 1952 wird sie von Intendant Fritz Wisten entdeckt, der sie an sein Theater am Schiffbauerdamm verpflichtet. Mit dessen Ensemble wechselt sie 1954 schließlich in die Volksbühne, wo sie bis 1990 bleibt. Während ihres Bühnenschaffens tritt die Wünscher in zahlreichen Stücken auf und entwickelt sich dabei zur beliebten Volksschauspielerin. Als eine ihrer interessantesten Aufgaben bezeichnet die Künstlerin selbst einmal das asoziale Mädchen Emmi aus der "Ravensbrücker Ballade", deren Schicksal sie durch unsentimentales, wirklichkeitsnahes Spiel nachempfindet. Begeistert ist das Publikum auch von ihr als Goldonis "Mirandolina", eine ihrer größeren Rollen, über die Ingeborg Pietzsch 1974 schreibt: "Hier steht kein verspieltes, kokettes Kammerkätzchen auf der Bühne, das aus Freude an der Intrige Männern den Kopf verdreht. Die Wünscher breitet mit differenzierten schauspielerischen Mitteln die Möglichkeiten und Fähigkeiten der Mirandolina-Figur vor den Zuschauern aus: Lebenserfahrung, Menschenkenntnis, durch die Arbeit gewonnene Vitalität und Robustheit. Ihre Mirandolina leistet sich den Spaß, die parasitären Adligen zu entlarven."
Wünschers Karriere vor der Kamera beginnt Mitte der 50er Jahre. Wie am Theater sieht man sie auch beim Film zuerst häufig in Episodenrollen, die sie mit Präzision gestaltet. Mehrfach wirkt sie in satirischen "Stacheltier"-Produktionen mit, bringt hier ihre komödiantische Begabung zur Geltung. Gelegentlich kann sie sich eindrucksvoll in Charakterstudien ("Kabale und Liebe", 1959; "Verflucht und geliebt", TV 1981) beweisen, doch ist sie daneben gleichfalls bei heiteren Stoffen in ihrem Element. So brilliert sie z.B. in der musikalischen "geliebten weißen Maus" (1964) als resolute Dame mit Hund oder als Mutter Wolff im "Biberpelz" (1983), einer Theateraufzeichnung fürs Fernsehen. Desöfteren verkörpert Wünscher Mütter, Tanten oder Großmütter wie u.a. die Tante Elsie im populären Fernsehmehrteiler "Aber Vati!" (1973) und gastiert wiederholt in Filmen der Krimireihe "Polizeiruf 110". Ein Meisterstück gelingt ihr im "blauen Krokodil", einer der Schwänke um die "Drei reizenden Schwestern", wo sie in verschiedenen Rollen zu erleben ist.
Neben ihrer Arbeit für Bühne, Film, Fernsehen, Hörspiel oder Synchron feiert die vielseitige Marianne Wünscher Erfolge als Chansoninterpretin. Sie führt durch eigene Fernsehsendungen ("Hand aufs Herz", "Chansons mit Marianne") und ist Darstellerin in Kabarettrevuen. Außerdem engagiert sich die Kunst- und Nationalpreisträgerin in der Politik, ist zeitweilig Abgeordnete der Liberaldemokratischen Partei Deutschlands (LDPD) Berlin und später einige Jahre Mitglied der Volkskammer der DDR. Wünschers erster Ehemann ist Regisseur Gottfried Herrmann, ab 1963 ist sie dann mit dem Komponisten Wolfgang Pietsch verheiratet.
(Team Zutz - Quellen u.a.: Unsere Filmsterne; Renate Seydel, Schauspieler; Das große Lexikon der DDR-Stars)
Filmographie (Auswahl)
Jahr |
Filmtitel |
Rolle |
1954 |
Kein Hüsung |
dralles Mädchen |
1955 |
Ein Polterabend |
Tochter Proppen |
1955 |
Das Stacheltier: Es geht um die Wurst |
Rosa Wotan |
1956 |
Das Stacheltier: Das Gold in der Ackerstraße |
Elvira Lupke |
1957 |
Wo Du hin gehst... |
Donna X |
1957 |
Gejagt bis zum Morgen |
Bäuerin |
1958 |
Nur eine Frau |
Frau Schirmer |
1958 |
Emilia Galotti |
Frau Crimaldi |
1959 |
Verwirrung der Liebe |
Siegis Mutter |
1959 |
Kabale und Liebe |
Millerin |
1960 |
Die schöne Lurette |
Marcelline |
1962 |
Ach, du fröhliche... |
Frau Klinkenhöfer |
1962 |
Fetzers Flucht (TV) |
Sängerin |
1963 |
An französischen Kaminen |
Mariette |
1964 |
Geliebte weiße Maus |
Frau Messmer |
1964 |
Mir nach, Canaillen! |
Wäscherin |
1965 |
Wolf unter Wölfen (TV) |
Ida |
1965 |
König Drosselbart |
Obsthändlerin |
1967 |
Turlis Abenteuer |
Euphrosina, gute Fee |
1967 |
Ein Lord am Alexanderplatz |
Frau Müller |
1967 |
Mirandolina (TV) |
Mirandolina |
1968 |
Heißer Sommer |
Leiterin des volkseigenen Guts |
1969 |
Jungfer, Sie gefällt mir |
Marthe |
1970 |
Effi Briest (TV) |
die Tripelli |
1970 |
Weil ich dich liebe... |
Martha Wienecke |
1970 |
Dr. med. Sommer II |
Marianne Buntschuh |
1970 |
Der rote Reiter |
Zirkusdirektorin |
1972 |
Der Mann, der nach der Oma kam |
Frau Kotschmann |
1973 |
Aber Vati! (TV) |
Tante Elsie |
1973 |
Eva und Adam (TV) |
Elli Kramer |
1975 |
Der Staatsanwalt hat das Wort: 2,5 Karat (TV) |
Klara Lüders |
1976 |
Liebesfallen |
Bettina Gürtelschmidt |
1977 |
Polizeiruf 110: Alibi für eine Nacht (TV) |
Elke Poser |
1978 |
Anton der Zauberer |
Rechtsanwältin |
1981 |
Casanova auf Schloß Dux (TV) |
Sophie |
1981 |
Verflucht und geliebt (TV) |
Sina |
1982 |
Familie Rechlin (TV) |
Ingelore Rechlin |
1982 |
Polizeiruf 110: Der Unfall (TV) |
Mutter Rau |
1983 |
Zille und ick |
Wanda Senfmilch |
1983 |
Der Biberpelz (TV) |
Frau Wolff |
1986 |
Polizeiruf 110: Das habe ich nicht gewollt (TV) |
Klara Euler |
1986 |
Das Buschgespenst (TV) |
Barbara Wunderlich |
1987 |
Wie die Alten sungen... |
Frau Klinkenhöfer |
1987 |
Polizeiruf 110: Im Kreis (TV) |
Hanna Baugroß |
1990 |
Pause für Wanzka (TV) |
Frau Manthey |
1990 |
Drei reizende Schwestern: Das blaue Krokodil (TV) |
Lotte / Sybille / Guido / Frieda |
Literatur
Christoph Funke
Marianne Wünscher
Ansichten und Absichten einer Schauspielerin
Buchverlag Der Morgen Berlin 1987
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