Vorgeschichte

Die Ursprünge der DEFA reichen bis in das letzte Jahr des Zweiten Weltkrieges zurück. Bereits am 25.09.1944 fand im Moskauer Hotel “Lux” ein Treffen beim KPD-Vorsitzenden Wilhelm Pieck statt, bei dem es um die Neugestaltung des kulturellen Lebens in Deutschland nach der Vernichtung des Nazistaates ging. Die Teilnehmer, zu denen Hans Rodenberg, Friedrich Wolf und Johannes R. Becher zählten, äußerten Vorstellungen zur Konzeption mit dem Ziel einer antifaschistisch-demokratischen Umgestaltung.

Im Januar 1945 wurde eine Arbeitskommission der KPD – bestehend aus 20 Mitgliedern – ins Leben gerufen, die sich fortan mit “ideologisch-kulturellen” Aufgaben beschäftigte. Noch vor Kriegsende, am 28.04.1945 nämlich, erteilte der sowjetische Stadtkommandant von Berlin, Oberst Bersarin, die Erlaubnis zur Eröffnung von Theatern und Kinos. Kurze Zeit darauf begannen die Aufräumungsarbeiten zur Wiederinbetriebnahme der Ateliers.

Die am 09.06.1945 gebildete Sowjetische Militäradministration (SMAD) übte in der sowjetischen Besatzungszone schließlich die oberste Regierungsgewalt aus. Als beratende Körperschaften der SMAD entstanden bald Deutsche Zentralverwaltungen mit verschiedenen Funktionen. So nahm am 25.08.1945 auch die Zentralverwaltung für den Bereich Volksbildung unter Paul Wandel ihre Arbeit auf. Verantwortlich für die Unterabteilung Literatur und Kunst, und damit für den Film, war Herbert Volkmann. Bis zum 01.10.1945 erfolgte auf Befehl der SMAD zunächst eine personelle Bestandsaufnahme auf diesem Gebiet.

Carl Haacker, Willy Schiller, Kurt Maetzig, Alfred Lindemann, Adolf Fischer und Hans Klering gelten als “Männer der ersten Stunde”. Diese sechs motivierten Filmschaffenden und gleichzeitig Mitglieder der KPD gehörten zum sogenannten Filmaktiv, das – der Zentralverwaltung unterstellt – die neue deutsche Filmproduktion nach dem Krieg vorbereiten sollte. Nach Genehmigung Stalins zur Enstehung einer deutsch-russischen Filmproduktionsfirma und Erhalt des offiziellen Auftrages der SMAD zum Beginn ihrer Arbeit, wurde auch die Ernennung Hans Klerings zum Filmreferenten und Leiter des Filmaktivs beschlossen.

Zu einer ersten gemeinsamen Beratung zwischen Filmemachern, Schriftstellern und Kulturfunktionären kam es am 22.11.1945 im Hotel “Adlon”, wobei sich die allgemeine Forderung nach Filmen mit neuem Geist, dem Bruch mit der UFA-Tradition, deutlich herauskristallisierte. Man wünschte sich Filme mit humanistischem, antifaschistischem und demokratischem Charakter, die die Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit der jüngsten Vergangenheit thematisieren würden oder den gegenwärtigen politischen Aufbruch in eine neue Ära beinhalteten. Weiterhin verwies man auf das große geistige Erbe der Klassiker.

Ein dementsprechend erarbeiteter “Aufbauplan” des Filmaktivs wurde im Dezember 1945 bestätigt, und daraufhin offiziell durch die SMAD erlaubt. Mit dem Auftrag zur Schaffung einer deutschen Filmindustrie in der sowjetischen Besatzungszone erfolgte im Januar 1946 die Eintragung des Filmaktivs (mit seinen nach dem Tode von Carl Haacker nunmehr fünf Mitgliedern) als eingegliederte Gesellschaft der Zentralverwaltung für Volksbildung. Eigene Unterabteilungen wurden gegründet. Am 15.01.1946 begann dann der Dreh der ersten deutschen Nachkriegswochenschau unter Leitung von Dr. Kurt Maetzig.